02.01.12

Der Weg ist das Ziel


„Der Weg ist das Ziel!“ – Eine Redensart, die zum Motto vieler Bücher, Filme und Leben geworden ist. Stammen soll der Spruch von Konfuzius aus dem fernöstlichen Raum. Doch was steht eigentlich hinter diesen Worten, die so viele Menschen vorantreiben? Was wollen sie uns vermitteln?
Im Mai 2011 wanderte ich von León nach Santiago de Compostela. Und mit jedem Tag, dem ich Santiago näher kam, war es nicht das Ziel der Reise, das wichtig für mich wurde, sondern jeder Schritt, den ich tat, jeder Mensch, mit dem ich sprach, und jeder Ort, den ich durchwanderte. Das Ziel zu erreichen wurde unwichtiger, wichtiger hingegen wurde der Weg dorthin.
Als ich Santiago dann endlich erreichte, fühlte es sich nicht so grandios an, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gedacht es sei, wie das Erlegen des größten, bösesten Bärs im Wald. Denn ich hatte Berge überwunden, Blasen bezwungen und jede missliche Lage bewältigt. Anscheinend hatte ich gemerkt, dass das Erreichen des Ziels vor allem eines darstellte: Das Ende einer wundervollen Reise. Eine Reise, die ich genossen hatte. Jeder Tag offenbarte mir neue Orte, Menschen, Erlebnisse und Erkenntnisse. Und das sollte nun vorbei sein.
„Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.“ Marie von Ebner-Eschenbach
Doch das vermeintliche Ende machte mir auch klar, dass ich mich nicht nur auf einem Weg befand. Ich laufe auf vielen Pfaden und jeder Einzelne muss genutzt und genossen werden. Denn, wenn das Ziel erst einmal erreicht ist, ist der Weg beendet. Und viel zu oft wird es vergessen den Weg zu genießen, weil man seine ganze Energie dazu nutzt sich auf das Ziel zu konzentrieren.
Warum ich das alles erzähle? Weil es doch eigentlich zu jeder Lebenssituation passt. Schulabsolventen, zum Beispiel, sind vollkommen genervt von der Schule, von jeder einzelnen Stunde und jeder Ansprache eines Lehrers. Doch ist die Schulzeit vorbei, wird man diese Stunden vermissen, sie sich herbeisehnen und bemerken, dass man sie zu wenig geehrt hat in der Vergangenheit.
Und es gibt noch so viele andere Situationen, in die dieser doch so wundervolle Spruch passt. Vielleicht gibt es auch bei euch einen solchen, bisher unbemerkten, Weg.
Eure Sophie

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